Interview mit Maike Hein (Commerzbank Frankfurt)

1. Warum haben Sie sich für das Commerzbank-Bildungspaten-Programm beworben?

Ich wollte gerne Menschen unterstützen, die eine weniger gute Ausgangsbasis im Leben haben, als ich sie hatte.

2.  Mit welchen Erwartungen/Vorstellungen sind Sie in das Programm gestartet?

Ich hatte vorher schon darüber nachgedacht, ehrenamtlich tätig zu werden, war aber noch unschlüssig, wo und in welcher Form. Das Programm der Commerzbank gab mir dann die Möglichkeit, direkt in eine Tätigkeit einzusteigen und parallel eine Art "Ausbildung" dafür zu bekommen.

3. Wurden diese Erwartungen erfüllt?

Die Ausbildung war sehr gut. Toll war auch die Begegnung mit anderen Kollegen, die sich ebenfalls engagiert haben. Der Austausch und gemeinsame Gespräche haben mir viel gebracht. Auch das Angebot des kollegialen Coachings als Methode, sich gegenseitig zu unterstützen, fand ich spannend.

4. Wie war Ihre erste Begegnung mit Ihrem Mentee? Hat der Jugendliche Sie von Beginn an akzeptiert?

Meine erste Begegnung fand im Rahmen des Matchings der Mentees mit ihren Mentoren in den Räumlichkeiten der Joblinge Frankfurt statt. Mein Jobling war sehr aufgeschlossen und hat gleich viel von sich erzählt. Es kam keine Fremdheit auf; das Gespräch war angenehm. Mein Eindruck war, dass sich mein Mentee gefreut hat, dass sich jemand um ihn kümmert und für seine Überlegungen ein offenes Ohr hat.

5.  Wie oft treffen Sie sich mit Ihrem Mentee? Was unternehmen Sie gewöhnlich bei den Treffen?

Wir haben uns meistens einmal pro Woche oder auch alle 14 Tage getroffen; in der Regel bei mir im Büro. Dann haben wir gemeinsam die Bewerbungen angesehen, den Lebenslauf verbessert, darüber gesprochen, welche Firmen für die Bewerbungen in Frage kommen etc. Nachdem die ersten Praktika stattgefunden haben, haben wir über den Verlauf der Praktika gesprochen, wo es Probleme gab und reflektiert, was mein Mentee eventuell verändern könnte, um gut anzukommen.

6.  Wie genau konnten Sie Ihren Mentee bisher unterstützen?

Ich glaube, für junge Menschen ist das Gefühl wichtig, dass sich jemand freiwillig hinsetzt und zuhört. Jemand, der nicht die Rolle der Eltern oder anderer Menschen aus dem sozialen Umfeld innehat, sondern der ein bisschen abseits ist und einen anderen Blick hat. Ich denke, meine Schilderungen, wie es in meinem Beruf abläuft, worauf ich bei der Ausahl von Azubis achte oder was ich von Praktikanten erwarten würde, waren eine gute Basis für gemeinsame Überlegungen, wo mein Mentee steht und wo er unter Umständen noch Optimierungspotential hat.

7.  Bitte schildern Sie ein typisches Treffen mit Ihrem Mentee.

Mein Mentee bringt seine Bewerbungsliste mit, wir sprechen über Rückmeldungen der angeschriebenen Firmen und überlegen, wo und wie es Sinn macht, nachzuhaken, wenn er noch keine Antwort bekommen hat. Wir überlegen gemeinsam, wie seine Interessen sind und welche anderen Berufsoptionen sich daraus ergeben, wenn es mit den ersten Ideen zum Beruf nicht klappt.

8.  Mit welchen Schwierigkeiten sahen Sie sich bisher während Ihrer Patenschaft konfrontiert?

Unzuverlässigkeit bei den Treffen (öfter Absagen, kurzfristig mit wenig Begründung). Es ist nicht so einfach, herauszubekommen, was der Mentee wirklich denkt und was ihm tatsächlich wichtig ist. Die Frage, ob das Gespräch ihn wirklich erreicht, habe ich mir öfter gestellt.

9.  Was war Ihr schönstes Erlebnis mit Ihrem Mentee?

Dass er eine Lehrstelle bekommen hat und ich das Gefühl hatte, dass unsere Gespräche und mein Coaching etwas bewirkt haben.

10.  Welche Entwicklung konnten Sie bisher bei Ihrem Mentee beobachten?

Mein Mentee ist sehr stolz und es fällt ihm sehr schwer, Hilfe zu akzeptieren oder danach zu fragen. Mein Eindruck ist, dass er das heute wahrnimmt und sich - so hoffe ich - gelegentlich über diese Grenze hinweg bewegt.

11.  Werden Sie auch nach Ende des Commerzbank-Bildungspaten-Programms als Patin aktiv/mit Ihrem Mentee in Kontakt bleiben?

Ich habe das angeboten. Letztlich hängt es davon ab, ob mein Mentee das will. Ich glaube eher, dass er seinen Weg alleine machen will und hege nicht so große Hoffnungen, dass er von sich aus auf mich zu kommt.

12.  Sind Sie gerne Bildungspatin? Wenn ja, warum?

Es ist ein schönes Erlebnis, mit jungen Menschen zu arbeiten, ihnen Unterstützung zu geben und ein bisschen von sich selber "reinzubringen". Mir macht es sehr viel Spaß und ich bleibe auch nach dem Programm dabei.

13. Würden Sie Ihren Kollegen eine Bildungspatenschaft als soziales Engagement empfehlen?

Uneingeschränkt ja!